Unser Ansatz

Was ist Rassismus?

Die Arbeit bei Bridging Gaps beinhaltet eine kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Strukturen und ihren Auswirkungen –  der Fokus liegt dabei auf Vorurteilen und Rassismus. Rassismus kann dabei folgendermaßen definiert werden: Er  beinhaltet Denkweisen und Praxis, durch die Menschen auf der Basis von physischen und kulturellen Merkmalen bzw. ihrer Herkunft/Nationalität in Gruppen eingeteilt werden. Besonders wichtig ist dabei, dass diese Gruppen als intellektuell, moralisch und sozial verschieden konstruiert und hierarchisiert werden. Ein Bewusstsein für die so erzeugten politischen und ökonomische Ungleichheiten (zwischen dem globalen Süden und Norden bzw. innerhalb einer Gesellschaft), ist für unsere Arbeit wesentlich.

Wie ist Rassismus in unserer Gesellschaft verankert?

Wichtig ist, dass Alltagsrassismen besonders auch das prägen, was wir vermeintlich völlig selbstverständlich über die Welt und bestimmte Gruppen zu wissen scheinen („Das weiß man doch, dass das so ist bzw., dass die so sind“, oder auch „Das war schon immer so“). Es geht aber nicht nur um Gebrauchswahrheiten, sondern um eine lange, rassistisch geprägte europäische Wissenschaftstradition. Dazu haben sowohl geisteswissenschaftliche Fächer wie Philosophie oder Ethnologie, als aber auch die Naturwissenschaften beigetragen. Eine zentrale Rolle spielt außerdem der Kolonialismus und die fortdauernde ökonomische Ausbeutung ehemals kolonialisierter Länder. Diese tief verwurzelte gedankliche und praktische Ausgrenzung eines stets als fremd und ungenügend konstruierten Anderen hat Spuren in unserem Alltag und in kollektiven Vorstellungen hinterlassen.

Die eigene Position in der Gesellschaft

Aufgrund dieser Prägungen spielt Selbstreflektion in Bezug auf die eigene Sozialisation und im Hinblick auf das persönliche Verhalten eine entscheidende Rolle bei Bridging Gaps. Das bedeutet die eigene Erziehung, feste Überzeugungen und das daraus resultierende Handeln konsequent zu hinterfragen. Bei diesem Prozess wird man sich seiner eigenen Position und deren Voraussetzungen in der Gesellschaft bewusst (z.B. “Wie bin ich in der Gesellschaft repräsentiert?” “Welche Privilegien habe ich?” etc.) Die Verbindung zur Gesellschaft ist zentral, denn wir sehen die Anti-Rassismus Arbeit keineswegs als eine rein individuelle Angelegenheit an, sondern als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Ungleiche Machtverhältnisse sind (in globalem Maßstab) institutionell verankert und äußern sich für von Rassismus betroffene Menschen durch Ausgrenzung und fehlende Akzeptanz.

Sprache und Wirkmacht

Sprache spielt bei der Reproduktion von Ungleichheiten eine zentrale Rolle. Begriffe sind nicht einfach neutral: Sie beinhalten verschiedene (auch historische) Bedeutungsschichten und vermitteln Konzepte mit gewissen politischen Intentionen. Wie man Menschen beschreibt, Handlungen begründet und Sinn konstruiert beeinflusst die Vorstellungen vom „Eigenen“ und vom „Anderen“ und hat Auswirkungen auf tatsächliches Handeln. Aus diesem Grund ist die Wirkung von Begriffen unabhängig von der Absicht oder dem Nichtwissen, mit der der/die Einzelne sie gebraucht. Eine ungemein wichtige Erkenntnis ist also, dass Rassismus wirkmächtig ist – unabhängig davon, ob rassistische Aussagen und Handlungen bewusst oder unbewusst geschehen.

Unser Beitrag

Über den beschriebenen individuellen Bewusstswerdungsprozess bieten wir einen Zugang zu den komplexen Themen Rassismus und globale Asymmetrien, die oft lediglich abstrakt oder auch stark verkürzt vermittelt werden. Besonders in Zeiten von Populismus und Zugehörigkeitsdebatten ist es zentral, den Blick auf die eigene Gesellschaft und die eigene Rolle und Möglichkeiten zu lenken. Unsere Aufgabe sehen wir darin, diesen schwierigen Weg unterstützend zu begleiten, indem wir Raum für Diskussionen schaffen und (Wissens)Ressourcen anbieten, die zum Nachdenken anregen.