“Ich habe das Camp wirklich genossen. Die neuen Freunde, die ich gefunden habe, sind wirklich cool und toll. Als ich das erste Mal zum Camp kam, war ich nervös und aufgeregt. Die ganze Woche hat Spaß gemacht; das Essen, die Leute, der Swimmingpool und der Campingplatz waren phänomenal. Ich bin traurig, weil wir nun heim gehen. Es hat Spaß gemacht, aber jetzt ist es zu Ende.“ – Eunrique

Wir brachen am Montagmorgen, den 5. Oktober, zu unserem fünften Bridges Camp und einem neuen Abenteuer auf. Obwohl wir schon vier erfolgreiche Camps davor organisiert hatten, ist es immer eine Herausforderung, eine neue Gruppe von Teenagern zu unserer „Bridges-Camp-Reise“ mitzunehmen. Es ist eine besondere Reise, weil wir Teenager aus verschiedenen Hintergründen in Südafrika zusammen bringen mit dem Ziel, Vorurteile zu überwinden und toleranter gegenüber anderen zu sein. Die meisten der neuen Teilnehmenden leben entweder in segregierten Gebieten ohne Kontakt zu Teenagern aus anderen Gruppen oder sie begegnen vielen Probleme in ihrer . Auf diesem Camp machten wir ähnliche Erfahrungen wie schon früher: Die Teenager berichteten uns abermals, dass sie nur Freunde in ihrer eigenen Gruppe haben. Wir waren von neuem überrascht, wie sehr diese Jugendlichen bereits Vorurteile in sich tragen.

Bei der Reise auf diesem Camp geht es darum, dass Teenager zusammen kommen und sie sich zu einer Gruppe zusammen finden. Dadurch bemerken sie, dass sie andere nicht verurteilen sollten. Außerdem lernen sie, wie sie zusammen arbeiten können und wie sie das in ihren Communities umsetzen können.

“Es war endlich Montag und am Montag im Taxi war ich ein bisschen nervös weil ich dachte, dass ich nie neue Freunde finden könnte, aber als wir auf diesem Camp ankamen, diesem coolen Camp, änderte sich alles. Ich lernte, mit anderen zusammen zu arbeiten und andere zu respektieren und nicht zu verurteilen.“ – Enzo

Wir müssen zugeben, dass diese Woche ziemlich schwierig startete. Einige Teenager hatten Probleme, sich an diese neue Umgebung anzupassen und bereits am zweiten Tag mussten wir ernsthafte Konflikte lösen. Wir sehen in der Regel jeden Kampf oder Streit zwischen den Teenagern als eine Möglichkeit, sie zu ermutigen, sich gegenseitig zu respektieren und Lösungen zu finden, ohne gewalttätig zu werden oder unfaires Verhalten dabei zu zeigen. Im Rückblick sind wir froh und stolz, dass wir die Teenager unterstützen konnten, sich für ihr falsches Verhalten zu entschuldigen und die Konflikte zu lösen. Wenn einige Teenager dabei sind, die ein schwieriges Verhalten zeigen, bedeutet das für uns, dass wir ihnen spezielle Aufmerksamkeit entgegen  bringen müssen, um sie in die Gruppe zu integrieren. Während der Woche erlebten wir, dass einer der Jungen sein Verhalten komplett veränderte und aufhörte zu kämpfen und stattdessen jüngeren Teenagern half. Ein anderer Junge, der stundenlang heulte, weil er Heimweh hatte, begann die Zeit zu genießen und fand viele Freunde. Durch diese Veränderungen, die sich innerhalb einer Woche abspielten wurde uns deutlich, wie wichtig unsere Arbeit ist und wie sehr diese Teenager unsere Anleitung und positive Aufmerksamkeit brauchen. Wir waren froh, dass diese Probleme  danach den weiteren Prozess auf dem Camp nicht beeinträchtigten.

“Bridges Camp ist das Beste aller Zeiten.” Damion

Auf jedem Camp ist eine Gruppe von Teenagern dabei, die an vorherigen Camps teilgenommen hatten. Dort wurden sie aufgrund ihrer Führungsqualitäten ausgewählt und sind in den folgenden Camps „Facilitators“. Sie spielen Spiele mit den neuen Teilnehmenden und leiten kleine Gruppenaktivitäten, in denen sie den Teilnehmenden etwas über Respekt und Toleranz beibringen. Außerdem erledigen sie kleine Aufgaben in der Küche. Diese Teenager machten unglaubliche Fortschritte, seit sie ihre Reise mit uns starteten. Manche von ihnen bemerken sogar, wenn eine neue Teilnehmerin/ ein neuer Teilnehmer Probleme hat, Freunde auf dem Camp zu finden. Wir sind immer wieder beeindruckt davon, wie sie sich um diese Jugendlichen kümmern und wie es ihnen gelingt, sie in die Gruppe zu integrieren. Dass sie jede/n auf dem Camp willkommen heißen hilft uns sehr, eine positive Gruppenatmosphäre zu entwickeln

“Ich dachte, die anderen aus den anderen Gruppen wären rechthaberisch/ herrisch, aber als ich aus dem Taxi ausstieg, begrüßten sie uns alle als würden wir uns alle schon lange kennen. Einer von ihnen war mein liebster Facilitator und wurde mein Freund. Er ist auch ein sehr guter Tänzer und wir hatten einen Tanz-Wettkampf.“ – Katlego

Am dritten Abend waren wir sehr berührt. Vor dem Abendessen organisierten die Facilitators eine Fashion-Show und alle Teilnehmer mussten mit einem Partner einlaufen. Sie stellten sicher, dass kein Teenager alleine blieb und alle fühlten sich besonders, als sie bejubelt wurden. Hier wird deutlich, dass sie nicht nur über Toleranz und Respekt reden, sondern diese auch schon durch ihr Verhalten zeigen. Eine der Facilitators hielt eine Abschiedsrede und sagte, dass sie jede einzelne Person vermissen wird, da sie alle besonders seien. Das ist genau das, was sie ihnen die ganze Woche über zeigten.

“Mach dir keine Sorgen mehr über diesen frechen Jungen, ruf mich einfach und ich setze mich zu ihm.“ – Rose (ein Facilitator, die schon das zweite Mal dabei war).

Eines der Mädchen, die schon in drei Camps als Facilitator dabei war, berichtete uns, dass wir sie bis an ihre Grenzen bringen. Sie meinte weiter, dass sie dies aber mögen, da sie dadurch wachsen. Wir verbrachten viel Zeit damit, die Facilitators vorzubereiten auf ihre Aufgabe, Spiele und kleine Gruppenaktivitäten anzuleiten. Am Donnerstagnachmittag konnten wir unseren Augen nicht trauen: Keiner der erwachsenen Betreuer hatte etwas zu tun, weil die Jüngeren alles übernahmen. Wir liefen herum und beobachteten, wie 14-Jährige Gruppendiskussionen mit den neuen  Teilnehmenden leiteten. In diesen erklärten sie ihnen, warum sie aufhören sollten, sich gegenseitig zu verurteilen.  Sie lernten so viel auf unseren Camps und waren plötzlich selber in der Lage, unsere Botschaft über Toleranz besser zu übermitteln als wir selbst es je hätten tun können. Was uns wirklich beeindruckte war, dass sie auch unseren Rat berücksichtigten, wie man Kinder in positiver Art disziplinieren kann. Ein Mädchen erinnerte sich daran, dass es hilfreich sein kann, die Schulter eines sehr frechen Jungen zu berühren. Es gelang ihnen, ihre Gruppen ruhig zu halten und auf ihre Aktivitäten zu fokussieren. Wir konnten sehen, dass sie sich kontinuierlich verbessern. Sie erklären nicht nur die Spiele, sondern bringen auch neue Ideen ein oder ändern ihre Strategie, wenn eine Aktivität nicht auf die geplante Art und Weise gelingt. Zu sehen, dass unsere Unterstützung nicht mehr die ganze Zeit nötig ist, war ein merkwürdiges Gefühl. Doch das ist im Grunde genau das, was wir erreichen wollen bei der Ausbildung von zukünftigen Führungspersonen!

Es ist immer sehr schwierig, neue Facilitators auszuwählen, da alle Teenager einfach toll sind! Wir mussten aber dennoch eine Wahl treffen. Also wählten wir sechs herausragende junge Jungs und Mädchen, die ein großes Potential haben, Verantwortung für andere zu übernehmen und ein/e LeiterIn auf dem Camp zu werden. Wir sind uns sicher, dass sie ein unersetzlicher Teil unseres Teams werden und eine große Hilfe auf dem nächsten Camp. Wir entschieden uns auch, einem der sehr frechen Jungen die Möglichkeit zu geben, in unserem Team als Helfer mitzuarbeiten. Denn wir glauben daran, dass die Chance, Verantwortung für andere zu übernehmen, das Leben von Menschen verändern kann. Er wird viel Unterstützung brauchen, aber wir sind zuversichtlich, dass wir ihn in eine positive Richtung lenken können.

„Ich bin so froh, dass ich als Facilitator ausgewählt wurde und kann es kaum erwarten, zurück zu kommen und all meine Freunde wieder zu sehen. Dankeschön!” – Samantha

Die Spiele und Aktivitäten sind sehr wichtig auf dem Camp, denn sie helfen den Teenagern, sich zu öffnen und Freunde zu finden. Sogar ein einfaches Spiel in einem Kreis kann eine Herausforderung für einige sein. Es kann aber auch der Wendepunkt sein, wenn sie ihre Schüchternheit überwinden und lernen, selbstsicherer in Interaktionen mit anderen zu werden. Sie haben dabei auch die Möglichkeit, mit Teenagern zusammenzuarbeiten, mit denen sie noch nicht gesprochen haben. Das hilft dabei, eine starke Gruppenidentität aufzubauen.

“Als ich zuerst auf das Camp kam, war ich schüchtern und ruhig. Ich dachte nie, dass ich Freunde finden werde. Ich hasste die Morgenübungen und den Morgenkreis wirklich. Aber jetzt liebe ich sie, denn dadurch werde ich offener mit anderen. Am besten gefiel mir der Tag, als wir unsere Casino-Nacht hatten. Wir spielten Casino-Spiele mit Bridges-Camp-Geld. Mit diesem Geld,  das aus Süßigkeiten bestand, konnte man sich Popcorn und Cookies kaufen.“ – Kamogelo

 

“Ich war aufgeregt, als ich im Taxi war, weil ich Leute aus anderen Gruppen treffen würde. (…) Am Mittwochnacht fühlte ich mich, als würde ich fliegen. Es war die Casino-Nacht und ich hatte 15 Süßigkeiten.” – Khutso

Die Aktivitäten sind auch eine tolle Möglichkeit für die Jugendlichen, kreativ zu sein und dabei ihren Weg zu finden, ihre Gefühle auszudrücken. Wir bauen viele Kunstaktivitäten ein und leiten sie dazu an, ihre eigenen Kunstwerke zu entwerfen. Einer der Höhepunkte der Woche war definitiv der letzte Abend. Sie trugen Gedichte vor und spielten kleine Theaterstücke über die Themen Verurteilung und Rassismus. Und natürlich liebten die Teenager die anschließende Party.

“Am Donnerstag war ich sehr glücklich, da wir darüber sprachen, was wir am Freitag zur Party tragen wollen. Freitagnacht war toll, als die Leute Gedichte vortrugen und auch Theaterstücke spielten. Sie tanzten auch und hatten Spaß. Ich liebe Bridges Camp, weil  wir Spaß haben und neue Sachen lernen.“ – Happy

Der Erfolg dieses Camps ist hauptsächlich der harten Arbeit unserer erwachsenen Supervisors zu verdanken. Diese leiten die Teenager durch ihr eigenes Verhalten. Sie fühlen, dass wir jeden einzelnen von ihnen wertschätzen. Wir versuchen auch immer, neben unseren Verpflichtungen viel schöne Zeit mit ihnen zu verbringen, da wir wissen, wie sehr sie das schätzen. Ein Mädchen schrieb einen sehr netten Abschiedsbrief:

“Meine Woche hier beim Bridges Camp hat sehr viel Spaß gemacht und ich genoss jede einzelne Minute und jetzt, da ich gehen muss, werde ich alle meine Freunde vermissen. Ich werde sie immer lieben und vermissen. Danke, Juliane (eine der Supervisors), meine Mutter, Schwester, beste Freunden und vor allem meine Mentorin. !“

#facilitator2016 #Iwillmissyouall #loveyou #sofun #madenewfriends # feelingmyself

 

Die Teenager schrieben am letzten Tag Briefe, in denen sie über das Camp nachdachten. Durch diese Botschaften bemerkten wir, dass unsere Arbeit wichtig ist, da sie auf dem Camp wirklich die Chance haben, neue Dinge zu lernen und mit einer neuen  Wahrnehmung der Gesellschaft weggehen:

“In dieser Reise namens Leben werden guten Zeiten kommen und gehen. Als ich auf dieser endlosen Straße des Lebens entlangging, stieß ich auf einen Ort namens Bridges Camp. An diesem Ort sind alle Menschen Engel, die von Gott gesendet wurden. Als ich dort hinkam, sah ich wunderschöne Menschen. Sie hießen mich mit beiden Händen willkommen an diesem Ort. Ich traf wundervolle Menschen und wenn sich all ihre Persönlichkeiten vermischen, ergibt das ein Wort: „großartig“. Meine Woche an diesem Ort war sehr schön und ich hatte total viel Spaß. Wir lernten, andere zu respektieren, um uns selbst zu respektieren. Wir lernten, mit Leuten aus anderen Gruppen zu kooperieren, um ein schönes Land aufzubauen. Dieses Land soll auf Fürsorge und Liebe basieren und Südafrika soll eine wundervolle, schnell wachsende Region werden. Ein Ort, an dem jede Person willkommen ist. Die Heimat von alt und jung.“ Tebego

Wir sind dankbar für all diese Erfahrungen und danken jeder Person, die dieses Camp ermöglichte!

Bridges Camp – Oktober 2015

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