Die ersten Schritte

Aus dem gemeinsamen Interesse und Engagement eines Freundeskreises entwickelte sich Bridging Gaps.

Der Verein hat seine Anfänge in Südafrika, wo mehrere der Gründungsmitglieder einen Freiwilligendienst absolvierten. Während eines Auslandsstudiums an der Universität in Pretoria, Südafrika, setzte sich Juliane Hoss, erste Vorsitzende des Vereins, durch den Austausch mit jungen Menschen vermehrt mit den Themen Diskriminierung und Rassismus auseinander. Gemeinsam mit ihrem Freundeskreis vor Ort, entschied sie sich spontan, nicht nur auf Veränderungen zu hoffen, sondern selbst aktiv zu werden und die Initiative Bridges Camp ins Leben zu rufen.

“Viele Menschen in Südafrika sind sich einig, dass Rassismus weiterhin ein großes Problem ist und glauben, dass nur die jüngeren Generationen die Chance haben, das zu verändern. Wir haben uns jedoch zunehmend gefragt, wie junge Menschen das schaffen sollen, da sie ja mit den gleichen Vorurteilen aufwachsen und darüber hinaus kaum Kontakt zu anderen sozialen Gruppen haben. Wir wollten eine Plattform für Jugendlichen schaffen, die ihnen die Möglichkeit gibt, sich auszutauschen.” – Juliane Hoss

Unser erstes Projekt: Bridges Camp

Auf den Bridges Camps kommen Jugendliche verschiedener Hintergründe zusammen, um durch den Kontakt miteinander ihre Vorurteile zu überwinden, ein Bewusstsein für Rassismus und Ungerechtigkeiten zu entwickeln und gemeinsam ein Zeichen dagegen zu setzen. Um die ersten Camps zu finanzieren, wusch das Team tagelang an Tankstellen oder Ampeln Windschutzscheiben und bat um Spenden. Nach jedem Camp war die Motivation noch größer, weiter an diesem Projekt zu arbeiten.

Wie viel Freiwillige, die nach Südafrika kommen, war auch Juliane schockiert davon, dass die Menschen in Südafrika auch über 20 Jahre nach der Apartheid immer noch größtenteils getrennt leben, viele Vorurteile haben und dass Rassismus an der Tagesordnung ist.

“Am Anfang war ich froh, dass ich während meiner Kindheit andere Erfahrungen gemacht habe und ich habe immer gesagt, dass Rassismus in Deutschland kein Problem sei. Doch natürlich stimmt das nicht und ich konnte das nur sagen, da ich selbst keine negativen Erfahrungen mit Rassismus machen musste.” – Juliane Hoss

Vereinsgründung

Die Konfrontation mit Rassismus und Diskriminierung in Südafrika führte dazu, dass  sich die FreundInnen auch in Deutschland zunehmend mit diesen Themen beschäftigten. Durch Diskussionen und Begegnungen erkannten sie, dass es auch in ihrer eigenen Gesellschaft Rassismus und Diskriminierung gibt. Es war kein leichter Weg für die FreundInnen, Rassismus als globales Phänomen anzuerkennen, welches man oft nicht bemerkt, wenn man nicht selbst davon betroffen ist. Doch aus diesem Prozess entstand bei allen Beteiligten der Wunsch, sich sowohl in Südafrika als auch in Deutschland einzusetzen gegen Diskriminierung und Rassismus und auf globale Machtverhältnisse aufmerksam zu machen.

Gemeinsam gründeten die FreundInnen im Mai 2015 den Verein Bridging Gaps e.V. Dieser hat das Ziel, einen Beitrag zu leisten, um Ungleichheiten zu überwinden, die durch gesellschaftliche Strukturen entstehen. Immer mehr junge Menschen identifizieren sich mit dieser Vision, treten dem Verein bei und gründen in Deutschland an verschiedenen Standorten regionale Gruppen.

Unsere Arbeit

Südafrika

Der Verein ist weiterhin in beiden Ländern aktiv: Das Team in Südafrika baute das Projekt Bridges Camp aus und erreichte in bisher 10 Camps mehr als 250 Jugendliche. Das Besondere an den Camps ist, dass jedes Mal einige Jugendliche ausgewählt werden, als “MultiplikatorInnen” an weiteren Camps teilzunehmen. Nach einem intensiven Training unterrichten sie die neuen Teilnehmenden und übernehmen Verantwortung für die Spiele und die allgemeine Organisation der Camps. Das Konzept der MultiplikatorInnen beruht auf der Idee, dass sich Menschen kritisch mit gesellschaftlichen Zusammenhängen auseinandersetzen und ihr gewonnenes Wissen in ihrem sozialen Umfeld weitergeben.

Deutschland

In Deutschland arbeiteten die Mitglieder zunächst an der Dokumentation “Schenkt uns Gehör”, einer Dokumentation über Alltagsrassismus, die mittlerweile in mehreren Vorführungen circa. 250 Personen erreichen konnte. Gemeinsam boten die Mitglieder Workshops über Rassismus an, organisierten Critical Whiteness Trainings und verschiedene Veranstaltungen, um die Öffentlichkeit für diese Themen zu sensibilisieren. Als nächsten Schritt möchten sie auch in Deutschland die Arbeit mit Jugendlichen ausbauen.

Weitere Ziele

Ein weitere großes Ziel des Vereins ist es, in Zukunft einigen Teilnehmenden der Projekte in Südafrika ein Studium zu ermöglichen. Gemeinsam mit der Partnerorganisation “Education 4 All” wird daher  an dem Aufbau von Stipendienprojekten für die MultiplikatorInnen gearbeitet. Neben den Camps bietet das Team in Südafrika auch Workshops an, z.B. Computer- und Coding-Kurse, um die Jugendlichen auf ihrem Bildungsweg zu unterstützen und sie in ihrer persönlichen Entwicklung zu fördern.

“Ich möchte sehen, wie das Camp wächst und in ganz Südafrika durchgeführt wird. Mein Traum für das Camp würde wahr werden, wenn wir noch mehr Jugendliche erreichen und weitere gesellschaftliche Gruppen integrieren könnten. Die Leiterin des Teams zu sein ist genial, aber auch eine große Herausforderung. Bridges Camp bedeutet mir sehr viel.” – Morongoa Masemola, Leiterin der Initiative in Südafrika

Der Verein hat inzwischen mehrere Auszeichnungen und Preise bekommen.

Im November 2015 wurde Bridging Gaps als “Best-Practice-Beispiel für internationale Solidarität” auf dem Jahrestreffen der Baden-Württemberg Stiftung ausgezeichnet. Die Baden-Württemberg Stiftung setzt sich für ein lebendiges und lebenswertes Baden-Württemberg ein und möchte unter anderem zu einem .verantwortungsbewussten Umgang mit unseren Mitmenschen beitragen.

Im September 2016 hat Juliane Hoss als erste Vorsitzende des Vereins den Ehrenpreis der Stiftung “Filippas Engel” erhalten. Die Stiftung Filippas Engel verleiht Preise an junge Europäer, die sich nachhaltig und auf außergewöhnliche Weise für andere eingesetzt haben.

Im November 2016 hat Bridging Gaps außerdem den Fairwandler Preis der Karl Kübel Stiftung in der Kategorie „Interkulturelles Zusammenleben“ gewonnen! Der Preis wird an entwicklungspolitisch engagierte junge Menschen verliehen, die in ihrer Gesellschaft und unserer globalisierten Welt etwas verändern wollen.

Bridging Gaps ist unter den fünf  Finalisten des „weitergeben – Engagementpreise der Studienstiftung 2017”. Der Preis wird seit 2014 an Projekte mit einem gesellschaftlichen Bedarf und eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Perspektive vergeben.