Bridges Camp

Mitte 2013 startete  das Team in Südafrika in Kooperation mit der psychologischen Klinik der Universität in Pretoria das Projekt Bridges Camp. Seitdem wurden mit mehr als 10 Camps über 250 Jugendliche und Studierende erreicht. Auf den Bridges Camp kommen Jugendliche verschiedener Hintergründe zusammen, um durch den Kontakt miteinander ihre Vorurteile zu überwinden, ein Bewusstsein für Rassismus und Ungerechtigkeiten zu entwickeln und gemeinsam ein Zeichen dagegen zu setzen.  

“Ich denke nun anders über verschiedene Dinge nach. Vor dem Camp hatte ich bestimmte Ansichten, wie andere Kulturen sind.  Als ich jetzt von dem Camp zurückgekommen bin, ist mir aufgefallen, wie blöd das war. Es ist dumm ist, Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe zu verurteilen, da wir eigentlich alle gleich sind. Wir sind Menschen und wir machen die gleichen Sachen. Wir haben auch so viele Gemeinsamkeiten.” – Rethagen, eine Teilnehmerin

 

HappyBridgesCamp2015 from Juliane Hoss on Vimeo.

Hintergrund

Auch über 20 Jahr nach Ende der Apartheid leben Menschen verschiedener Gruppen in Südafrika weitgehend getrennt voneinander. Das ist kaum verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Menschen über Jahrzehnte verschiedenen Gruppen zugeordnet wurden. Eine klare Hierarchie gab weißen Personen deutlich mehr Rechte als anderen Gruppen und führte dazu, dass die Mehrheit Schwarzer Menschen in Unterdrückung und entwürdigenden Lebensumständen lebten. Die Auswirkungen dieser strukturellen Ungerechtigkeiten sind immer noch in der Gesellschaft zu beobachten. Auch Stereotype und Vorurteile sind weiterhin sehr präsent und führen auch unter jungen Menschen zu Skepsis, Abneigung oder Konflikten. Diese verschiedenen Formen des Rassismus sind nur schwer zu durchbrechen und werden, wenn überhaupt, nur über einen langen Zeitraum verschwinden.

Unsere Vision und Ziele

Unsere Vision ist es, einen Beitrag zu diesem Prozess zu leisten. Wir möchten  eine Plattform schaffen, auf der sich junge Menschen verschiedener Hintergründe in Südafrika treffen. Durch den Kontakt zueinander bekommen sie eine Chance, ihr Vorurteile zu überwinden und gemeinsam Wege zu finden,  sich gegen Rassismus einzusetzen.

Dabei verfolgen wir mehrere Ziele:

  • Überwindung von Vorurteilen durch persönlichen Kontakt
  • Ein Bewusstsein für gesellschaftliche Strukturen und Ungerechtigkeiten zu schaffen
  • Junge Menschen ermutigen, selbst aktiv zu werden und ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen
  • Eigeninitiative und Verantwortungsbereitschaft fördern.

“Ich bin auch selbstbewusster geworden und habe gelernt, auf andere zuzugehen und mich zu integrieren. Das Camp hat mir geholfen, meine Komfortzone zu verlassen und ich habe viele interessante und lustige Dinge gelernt. Das Camp war eine richtig gute Erfahrung für mich.” – Brett, ein Teilnehmer

Auf den Camps werden die Jugendlichen von einem Team von durchschnittlich 10 Erwachsenen betreut. Wir bieten Vorbereitungsseminare und Mentoring für die BetreuerInnen an, damit die Teilnahme an diesem Projekt auch für sie eine Bereicherung werden kann.

„Man schaut zu, wie Vorurteile überwunden werden. Das Camp war für mich eine sehr schöne Erfahrung. Es ist aufregend und interessant zu sehen, wie Kinder der verschiedenen sozialen Hintergründe, die hier trotz der räumlichen Nähe praktisch keinen Kontakt zueinander haben, aufeinandertreffen und sich größtenteils entgegen ihrer Erwartungen sehr gut verstehen.“ – Ole, weltwärts-Freiwilliger aus Deutschland

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Unser Vision ist es, eine Plattform zu schaffen, auf der sich junge Menschen verschiedener Hintergründe in Südafrika treffen.  Diese Plattform soll dazu dienen,  Vorurteile zu überwindenund gemeinsam Wege zu findenn, sich gegen Rassismus einzusetzen. Dabei verfolgen wir mehrere Ziele:

  • Überwindung von Vorurteilen durch persönlichen Kontakt: Unsere Camps basieren auf psychologischen Theorien, die zeigen, dass Kontakt notwendig, aber nicht ausreichend ist, um Einstellungen und Verhaltensweisen gegenüber anderen Gruppen zu verändern. Wir entwickelten ein Programm, das es den Jugendlichen leichter macht, sich zu begegnen und ihre Vorurteile zu überwinden.
  • Ein Bewusstsein für gesellschaftliche Strukturen und Ungerechtigkeiten  schaffen: Wir möchten den TeilnehmerInnen keine Verhaltensweisen oder Meinungen vorgeben, sondern ein kritisches Bewusstsein für gesellschaftliche Strukturen schaffen.
  • Junge Menschen ermutigen, selbst aktiv zu werden und ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen
  • Eigeninitiative und Verantwortungsbereitschaft fördern: In vielen Situationen fühlen sich junge Menschen übergangen und nicht ernst genommen. Wir sind der Meinung, dass dies zu vielen Problemen in unserer Gesellschaft führt. Bei Bridges Camp glauben wir an das Potenzial der Jugendlichen und möchten dieses aktiv fördern.

Ein Camp ist eine ideale Möglichkeit, den persönlichen Kontakt zwischen Jugendlichen aus verschiedenen sozialen Gruppen herzustellen. Erstens dauert das Camp sechs Tage und findet außerhalb des Alltags der Jugendlichen statt. Das ist notwendig, da die Jugendlichen bereits tief verwurzelte Vorurteile haben, die nicht innerhalb eines einzigen Tages oder in ihrem gewohnten Umfeld abgebaut werden können. Zweitens können wir auf dem Camp pädagogische Aktivitäten mit Freizeitaktivitäten kombinieren. Drittens können die Jugendlichen sich auch darauf vorbereiten, wieder in ihr gewohntes Umfeld zu kommen und überlegen, wie sie das Gelernte umsetzen können.

Aufbau unserer Camps:

Das Camp besteht aus:

  1. Freizeitaktivitäten: Sport und andere Spiele, Schnitzeljagd, Lagerfeuer und Unterhaltungsprogramm am Abend. Diese Aktivitäten schaffen eine Plattform für die Jugendlichen, um Kontakt herzustellen und zu erfahren, dass sie ein Ziel nur gemeinsam erreichen können.
  2. Erfahrungsgeleitetes Lernen: pädagogische und kunsttherapeutische Übungen. Diese Übungen helfen den Jugendlichen, sich bewusst darüber zu werden, dass Vorurteile existieren und diese zu reduzieren. Sie können dabei auch ein höheres Selbstbewusstsein entwickeln, das sie benötigen, um ihre neuen Erfahrungen weiterzugeben.
  3. Kleingruppen und Diskussionsrunden: Durch verschiedene Aktivitäten und Diskussionen in  Kleingruppen lernen die Jugendlichen mehr über verschiedene Themen, wie Respekt, Vorurteile, interpersonelle Konflikte und Selbstbewusstsein und können sich eine eigene Meinung bilden.
  4. Freizeit, in der die Jugendlichen Freundschaften schließen können. 

Förderung junger MultiplikatorInnen

Das Besondere an den Camps ist, dass jedes Mal einige Jugendliche ausgewählt werden, um als “MultiplikatorInnen” an weiteren Camps teilzunehmen. Nach einem intensiven Training unterrichten sie die neuen Teilnehmenden und übernehmen Verantwortung für die Spiele und die allgemeine Organisation der Camps. Das Konzept der MultiplikatorInnen beruht auf der Idee, dass sich Menschen kritisch mit gesellschaftlichen Zusammenhängen auseinandersetzen und ihr gewonnenes Wissen in ihrem sozialen Umfeld weitergeben.

“Das Camp hat mich wirklich verändert, besonders die Arbeit, die wir als JugendleiterInnen leisten. Der Erfolg eines Camps kommt wirklich auf die LeiterInnen an. Unsere Verantwortung ist es, dass alle etwas lernen und viel Spaß haben.” – Lyza, eine Multiplikatorin auf den Camps

Wie wir mit Jugendlichen arbeiten

Uns ist es besonders wichtig, den Jugendlichen im Rahmen des Projektes so viel Verantwortung wie möglich zu geben.  Damit wollen wir den Jugendlichen die Chance geben, ihre eigenen Fähigkeiten und Interessen zu erkennen. Die Jugendlichen haben uns wiederholt geschildert, dass sie oft das Gefühl haben, wegen ihres Alters nicht ernst genommen zu werden. Anstatt bevormundet zu werden, wünschen sie sich Möglichkeiten, ihr Potenzial zu entfalten. Und so sehr sie sich nach Vorbildern sehnen, möchten sie auch selbst für jüngere Jugendliche ein Vorbild sein.  

Die Jugendlichen, die ausgewählt wurden, als JugendleiterInnen weiter zu den Camps zu kommen, können auf den Camps zunehmend mehr Aufgaben übernehmen: Auf ihrem ersten Camp als MultiplikatorInnen dürfen sie den TeilnehmerInnen verschiedene Spiele erklären und sind für die Durchführung der Schnitzeljagd und eines bunten Abends verantwortlich. Auf einem weiteren Camp leiten sie Kleingruppen und Diskussionsrunden. Nach mehreren Camps können sie auch Aktivitäten für größere Gruppen anbieten und eigene Programmpunkte einbringen. Bisher haben wir 10 MultiplikatorInnen, die besonderes Engagement gezeigt haben, als ‘BetreuerIn in Training’ in unser Team eingeladen und in die Organisation des gesamten Projekts integriert. Gemeinsam haben sie das Konzept der Camps weiterentwickelt, ein eigenes Programmheft für ein Camp entwickelt und auf den Camps eigenständig Kleingruppen geleitet.

“Meine Rolle als ‘Betreuerin in Training’ ist großartig und ich genieße es, den Jugendlichen ein Lachen auf die Augen zu zaubern. Es ist sehr schön, ein Teil des Bridges Camps zu sein, weil ich ein Teil von etwas ganz Fantastischem sein kann. Es ist wunderbar, wie die Jugendlichen zu mir als Leiterin, als Freundin, als Schwester und Vorbild aufschauen. Ich genieße es auch sehr, neue Freunde zu finden.” – Nikisha, eine ‘Betreuerin in Training’

 

“Bevor ich eine Multiplikatorin des Bridges Camps geworden bin, habe ich alle meine Aufgaben nur abgearbeitet. Aber jetzt versuche ich, alles so gut wie möglich hinzubekommen. Ich bemühe mich sehr, da ich alles herausragend machen möchte. Ich habe an mehreren Camps teilgenommen und bin jetzt eine ‘Betreuerin in Training’. Gemeinsam mit den anderen habe ich ein Manual voller interessanter Aktivitäten und Spielen für das kommende Camp entwickelt. Ich kann nun vor einer Gruppe stehen und selbstbewusst sprechen. Ich wünsche mir, noch mehr Verantwortung für das Camp übernehmen zu können.” Reezan, ‘Betreuerin in Training’ 

Computer Workshops

Um die Jugendlichen auf ihrem Bildungsweg und in ihrer persönlichen Entwicklung zu begleiten, bietet das Team Workshops an. Derzeit arbeiten wir in Kooperation mit der Deutschen Schule in Pretoria und SAP an einem Computer-Projekt:

„Ihr seid jetzt so professionell, dass ihr gar keine Hilfe mehr braucht!“ Dieser Kommentar kommt von Elke Simon-Keller von SAP,  die sehr beeindruckt war von den 10 Jugendlichen, die im Rahmen der Africa Coding Week einen Computer-Workshop für jüngere SchülerInnen angeboten hatten.

Seit Februar 2016 bieten ieten wir in Kooperation mit der Deutschen Schule in Pretoria und SAP regelmäßige Computerkurse an, bei denen die Jugendlichen zu offiziellen „Computer Facilitators“ ausgebildet wurden. Sie waren sehr aufgeregt, als sie zum ersten Mal selbst andere Jugendliche unterrichteten. Doch sie waren ein eingespieltes Team und wir waren stolz zu beobachten, wie sie den SchülerInnen erklärten, wie ein Computer funktioniert und wie sie eigene Codes erstellen können. In diesem Moment erschien es unfassbar, dass einige von ihnen vor Beginn des Projekts noch nie einen Computer benutzt hatten.

“Ich finde, das Programm sollte weitergehen, da wir auch jüngere Jugendliche in unserer Umgebung unterrichten und sie das wirklich toll finden. Ich möchte das Programm über ganz Afrika ausweiten, sodass unsere Kinder und Jugendlichen mehr darüber lernen können, da es uns wirklich hilft.” – Reezan (14), ‘Betreuerin in Training’ und eine der Computer Facilitators